Buchpräsentation: „ Arme, Kranke, Verrückte“
Dr. Carlos Wazka belegt in seinem Buch: "Der Umgang mit seelisch Kranken war bei den
Barmherzige Brüdern bereits damals erstaunlich offen und "revolutionär"!
Er hat in den den Archiven der Barmherzigen Brüder recherchiert und für die Zeit des 16. bis 18. Jahrhunderts eine repräsentative Zahl (rund 300) der in Graz erhalten gebliebenen Krankenprotokolle (rund 6.000) ausgewertet - und ist zu überraschenden Ergebnissen gelangt.
Es zeige sich hier "ein später, das heißt im gesamten 19. Jahrhundert und zumindest bis in die 1960er-Jahre, kaum vorstellbarer Zugang der Nicht-Diskriminierung in der Krankenhauspraxis". Sichtbar werde dies schon an der Art der Unterbringung: 63 Prozent der psychisch Kranken wurden gemeinsam mit den somatischen Patienten im allgemeinen Krankensaal untergebracht.
Auch war die durchschnittliche Aufenthaltsdauer der psychisch Kranken mit 40 Tagen überraschend niedrig. Über drei Viertel der wegen "Irrsinns" behandelten Patienten wurden - nach damaliger Definition - "gesund" entlassen.
"Die betriebene Therapie war also augenscheinlich sehr effizient" so Dr. Watzka.
Die über 500 Seiten starke Publikation enthält neben der detailreichen soziologischen Auswertung der Krankenakten eingehende Erörterungen über das historische steirische Hospitalswesen.
Das Buch kann bei uns per E-Mail Bestellung und über das Landesarchiv Graz erworben werden.

Literaturtipp
"Arme, Kranke, Verrückte"
Veröffentlichung des Steiermärkischen Landesarchivs
ISBN 3-901938-18-4
568 Seiten, € 25.-