Logopädie in der Neurologie
Der neurologische Aufgabenbereich der Logopädie umfasst 3 große Bereiche:
- Aphasie
- Dysarthrie
- Dysphagie
1. Aphasie = Sprachstörung
Der Begriff „Aphasie“ bedeutet „Verlust der Sprache“ und kann nach einer Verletzung der Sprachzentren, z.B. durch Schlaganfall, Hirnblutung, Schädel-Hirn-Trauma, auftreten.
Beeinträchtigungen der Sprache, des Sprachverständnisses, des Lesens und Schreibens sind die Folge. All diese Fähigkeiten können in unterschiedlichem Maße betroffen sein.
Die logopädische Therapie beinhaltet nach einer umfassenden Befunderhebung die Verbesserung der einzelnen sprachlichen Modalitäten, das Erarbeiten von Umwegstrategien sowie Angehörigenberatung.
Weiters kann es auch zu neuropsychologischen Begleiterscheinungen kommen, wie Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen, sowie zu einer eingeschränkten Bewegungsplanung im artikulatorischen Bereich (= artikulatorische/buccofaciale Apraxie).

2. Dysarthrie = Sprechstörung
Bei einer dysarthrischen Störung handelt es sich um sprechmotorische Auffälligkeiten nach cerebralen Ereignissen (Schlaganfall, Morbus Parkinson, Multiple Sklerose, Amyotrophe Lateralsklerose). Es zeigen sich Koordinationsstörungen der Sprechbewegungen, der Stimme und der Sprechatmung.
Die Therapie befasst sich mit gezieltem Artikulationstraining, Regulierung des Atemrhythmus beim Sprechen, Verbesserung der stimmlichen Qualitäten sowie der Gesichts- und Mundmotorik.

3. Dysphagie = Schluckstörung
Schluckstörungen treten bei vielen cerebralen Erkrankungen sowie bei Operationen im Kopf- und Halsbereich auf.
Da eine Vielzahl von Muskeln und Nerven am Schlucken beteiligt ist, können die verschiedenen Phasen der Nahrungsaufnahme komplexe Störungen aufweisen. Neben der klinischen Untersuchung durch die Logopädin vervollständigen die Beobachtungen des Pflegepersonals und eine spezifische Abklärung durch bildgebende Verfahren (Schluckaktröntgen), sowie der HNO-Arzt die Diagnose.
Als Therapiemöglichkeiten stehen u.a. kompensatorische Strategien wie Haltungsänderungen beim Essen, Nahrungsadaption (auch unter Mithilfe der Diätassistenten) und die Behandlung der betroffenen Muskeln (passiv oder durch Anleitung zum selbständigen Üben) zur Auswahl.
Abhängig von Alter, möglichen Zusatzerkrankungen und Konstitution des Patienten können die Anwendung der therapeutischen Mittel und somit auch die jeweiligen Therapieerfolge sehr unterschiedlich sein. Bei hartnäckigen, schwerwiegenden Schluckstörungen, die rezidivierende Lungenentzündungen durch Aspiration zur Folge haben können, stellt sich die Frage, ob eine Ernährung über eine Magensonde unumgänglich wird. Unter Einbeziehung der Angehörigen versucht das medizinische Team für den Patienten eine Lösung zu finden, die seinen körperlichen und seelischen Bedürfnissen gerecht wird.