Tuesday 7. February 2012

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Linz: Hoffnung für Patienten mit Stuhlinkontinenz


Externer Schrittmacher stimuliert Schließmuskelnerven – Fachärzte der Barmherzigen Brüder Linz appellieren: "Inkontinenz-Tabu muss endlich fallen"

"Stuhlinkontinenz bedroht nicht das Leben, aber sie beeinträchtigt die Lebensqualität massiv“, bringt es Oberarzt Dr. Christoph Kopf auf den Punkt. Trotz modernster Therapie- und Operationsmethoden führt die Stuhlinkontinenz heute in nicht wenigen Fällen in eine völlige soziale Isolation. Eine neue Operationsmethode, seit rund einem halben Jahr erfolgreich bei uns angewandt, gibt Betroffenen jetzt neue Hoffnung.

"Ausscheidung von Stuhl oder Harn ist für jeden Menschen - ob gesund oder krank - von existentieller  Wichtigkeit. Dem Kleinkind wird mittels Toilettentraining fast akribisch die kontrollierte Darmentleerung frühestmöglich anerzogen. Spätestens mit dem Erreichen dieses Zieles gelten die Stuhlentleerung oder damit verbundene Unregelmäßigkeiten als absolutes Tabu", schildert Kopf.
Betroffene sind oft voll Angst zu stinken und damit entdeckt und bloßgestellt zu werden, ziehen sich dadurch zurück und werden häufig depressiv. "Selbst Vertrauenspersonen wie etwa der Hausarzt werden von Patienten oft sehr spät zu Rate gezogen", bedauert Kopf.

Die therapeutischen Möglichkeiten sind heutzutage breit gefächert. Die chirurgische Abteilung unseres Hauses beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit der Diagnostik und Behandlung von Beckenbodenfunktionsstörungen, die als unterschiedlichste Ausprägungen von hartnäckiger Obstipation bis hin zu schwersten Formen der Stuhlinkontinez in Erscheinung treten. "Prinzipiell versuchen wir nach einer ersten Anamnese und einer organischen Abklärung mit konservativen Therapiemethoden den Patienten zu helfen", erläutert Kopf.

Das Therapiespektrum umfasst alle medikamentösen und konservativen Maßnahmen. "Angeboten werden unter anderem in Zusammenarbeit mit einer Physio-
therapeutin eine spezielle Beckenbodengymnastik oder ein Biofeedbacktraining. Im chirurgischen Bereich gibt es die Möglichkeit etwa einer Schließmuskelrekonstruktion", so Kopf.

 

unknownNeu: sacrale Nervenstimulation
Seit rund einem halben Jahr steht bei uns jetzt eine völlig neue Operationsmethode zur Verfügung. Die sogenannte sacrale Nervenstimulation gibt Patienten mit Stuhlinkontinenz  eine berechtigte Hoffnung auf ein "neues Leben". "Die Operationsmethode - Betroffene müssen nur wenige Tage stationär im Spital bleiben - beruht im Prinzip auf einer Elektrostimulation der sacralen Nervenwurzeln über einen implantierten Schrittmacher vergleichbar mit einem Herzschrittmacher. Die Muskeln werden durch die Impulse unter Spannung versetzt und auf diese Weise gestärkt", erklärt der Facharzt.

Bei dem Verfahren müssen die Chirurgen, um die Wirksamkeit im konkreten Fall zu prüfen, zunächst vier kleine Elektroden an die Wurzel des Nervengeflechts des Schließmuskels anlegen und sie mit einem äußerlichen Impulsgeber stimulieren. Bessern sich die Beschwerden, wird das Stimulationssystem vollständig unter die Haut implantiert. Der Impulsgeber (5 x 6 x 1 cm) wird im Bereich des Gesäßes oder des Bauches platziert. "Die Therapie ist effektiv und verbessert nicht nur die Stuhlkontrolle, sondern es resultiert daraus eine deutliche Verbesserung der Lebensqualität der Patienten, die mit einem sacralen Schrittmacher wieder allen gewohnten Tätigkeiten inklusive sportliche Betätigung nachgehen können", so Kopf zuversichtlich.

Basierend auf klinischen Studien schätzt man heute, dass weltweit rund 1 bis 5 Prozent der Bevölkerung an Stuhlinkontinenz leiden. Geschlechtspezifisch sind 26 Prozent der Frauen und 11 Prozent der Männer über 50 Jahre betroffen. Die Ursachen der Stuhlinkontinenz können sehr verschieden sein, beginnend bei einer geänderten Stuhlbeschaffenheit bei einer Durchfallserkrankung oder einer entzündlichen Darmerkrankung über Sensibilitätsstörungen im Mastdarm etwa bei einer Zuckerkrankheit oder einem apoplektischen Insult bis hin zu strukturellen Defekten des Schließmuskelapparates nach einer Geburt oder einem vorausgegangenen chirurgischen Eingriff.

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