Behandlung des Grauen Stars bei den Barmherzigen Brüdern
LEIDEN BEGINNT SCHLEICHEND
Das Leiden beginnt schleichend. Das Sehvermögen verschlechtert sich. Die Sehschärfe und das Kontrastsehen nehmen ab. Man sieht wie durch einen Nebel, der dichter und dichter wird - unscharf, matt, verschleiert. Vor allem Lesen und Autofahren werden immer schwieriger. Auch die Blendungsempfindlichkeit der Augen nimmt zu. Grund ist die zunehmende Linsentrübung. „Der genaue Pathomechanismus ist noch nicht exakt geklärt. Es handelt sich aber dabei sicher um Störungen des Stoffwechsels im Linseneiweiß“, erklärt der Augenchirurg Univ.-Prof. Dr. Michael Amon vom Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Wien. „Eine weitere Komponente dürfte sicher die Belastung der Linse durch ultraviolette Strahlen sein. Daher rate ich vorbeugend von Jugend an konsequenten Sonnenschutz mit guten Sonnenbrillen und Schirmkappen zu betreiben.“
KLEINE OPERATION – GROSSE WIRKUNG
Es gibt keine Medikamente gegen den Grauen Star. Die einzige wirkungsvolle Behandlung ist eine Star-Operation, bei der die getrübte Linse durch eine klare Kunststofflinse ersetzt wird. Eine Vollnarkose ist nur in den seltensten Fällen nötig. Der Patient bekommt wenn er will ein Beruhigungsmittel und sein Auge wird örtlich betäubt. Unter dem Operationsmikroskop eröffnet der Arzt die Hornhaut mit einem winzigen Schnitt. Dann wird mit einem Ultraschall-Gerät die alte, trübe Linse zerkleinert und abgesaugt. Die Hülle, die Linsenkapsel wird im Auge gelassen. Die Kunstlinse wird an Stelle der entfernten Linse in den Kapselsack eingesetzt. Die biegsame Linse wird gefaltet. Das hat den Vorteil, dass nur ein winziger Schnitt nötig ist. Die Linse klappt sich auf und wird mit elastischen Bügeln sicher verankert. Der kleine Schnitt verschließt sich nach der Operation ventilartig von selbst. „Ein geübter Augen-Chirurg benötig für diesen Eingriff nur eine Viertel Stunde. Der Patient kann oft noch am selben Tage nach Hause“ betont Michael Amon.
KAUM KOMPLIKATIONEN UND FOLGEN
Mit 50.000 bis 60.000 Eingriffen jährlich ist die Star-Operation ist die häufigste Operation, die überhaupt gemacht wird. Komplikationen gibt es äußerst selten. Um eine eventuelle Infektion im Augeninneren vorzubeugen, bekommt der Patient einige Wochen lang antibiotische und entzündungshemmende Augentropfen. Als Spätfolge kann es nach Monaten und eventuell sogar Jahren bei manchen Patienten zu einer leichten Trübung der verbliebenen Linsen-Kapsel kommen, dem sogenannten Nachstar. Falls dadurch das Sehvermögen erneut beeinträchtigt ist, kann diese weder gefährliche noch schmerzhafte Trübung mit einem speziellen Neodymium-YAG-Laser, mit dem eine kleine Lücke in den getrübten Kapselsack gemacht wird, ambulant und schmerzfrei behandelt werden.
NEUE LINSEN
Nach dem Einsetzen der Kunstlinse kann das Auge nicht mehr akkommodieren, das heißt auf verschiedene Distanzen scharf einstellen. Der Patient muss sich entscheiden, ob er nach dem Eingriff lieber ohne Fernbrille, aber mit einer Lesebrille leben möchte oder umgekehrt. Seit etwa fünfzehn Jahren gibt es auch Multifocallinsen, die das scharfe Sehen in der Nähe und in der Ferne und so ein Leben ohne Brille ermöglichen sollen. Sie erzeugen zwei Bilder auf der Netzhaut. Das Hirn entscheidet sich für eines der beiden Bilder. Es gibt auch torische Linsen, die den Astigmatismus, die Stabsichtigkeit korrigieren.
Zur Trübung der Linse kommt manchmal eine Makula-Degeneration, eine Art Verkalkung der Stelle des schärfsten Sehens auf der Netzhaut. Dafür werden seit einigen Jahren gelbe Linsen angeboten, die den Blauanteil des Lichts filtern, der die Netzhaut schädigen kann.
| INNOVATION AUS ÖSTERREICH
Auch wenn die Brechkraft der neuen Linse vor dem Eingriff genau berechnet wurde, kann es passieren, dass der Patient nach der Staroperation nicht ganz scharf sieht. Um diese Fehlsichtigkeit zu korrigieren, muss er entweder eine Brille tragen, oder die Linse wird ausgetauscht, eine eher komplizierte Operation. Michael Amon hat jetzt gemeinsam mit einer britischen Firma eine völlig neue Linse entwickelt. Die „Sulcoflex-Linse“ wird in einem einfachen Eingriff zusätzlich auf die eingepflanzte Linse aufgesetzt. „In den vergangenen eineinhalb Jahren habe ich fünfzehn Augen operiert, ohne Komplikationen,“ betont Michael Amon, „alle Patienten brauchen keine Brille mehr.“ Die neue Linse könnte in Zukunft auch bei starker Fehlsichtigkeit eingesetzt werden. |
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(Quelle: ORF nachlese Dezember/2008, von Sylvia Unterdorfer)
Abteilung für Augenheilkunde Krankenhaus der Barmherzigen Brüder